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Montag, 4. Juli 2016

Der Sturm von den britischen Inseln


Warum Skakespeare zurück auf die Insel muss, wie die Kanzlerin hilfreich goldene Worte fand und warum Lammert-Lyrik geklaut ist

Raus, aber gefälligst zack, zack!


 

Der Wochenrückblick mit Klaus J. Groth


Der Sturm namens Brexit erschüttert die Gemüter stärker, als es William
Shakespeares Drama „Der Sturm“ jemals vermochte. Und das ist schließlich wüst genug. Nun stellt sich die bange Frage: Ist William Shakespeare noch ein europäischer Dichter? Müssen wir von ihm Abschied nehmen? Muss er zurück auf die Insel? Sehen Sie, auch daran hat noch niemand gedacht. 

Aber wen wundert dies Versäumnis schon? Gar nichts ist geklärt für den Brexit. Weil es den Brexit gar nicht geben durfte. Doch schon William Shakespeare, von dem wir noch einiges hören werden, wusste: „Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur.“
 
Nachdem die Briten uns ziemlich deutlich den Stinkefinger gezeigt haben, nachdem sie klargemacht haben, was sie mehrheitlich von der früh-europäischen Begradigung der Gurken und Bananen halten, wie sehr ihnen die eurokratischen Besserwisser in Brüssel auf den Geist gehen und dass sie den merkelschen Asylsucherwahn nicht ausbaden wollen, nun erwacht die gerupfte EU aus ihrem „Sommernachtstraum“ und fragt verwirrt, wie es so weit hat kommen können.
 
Ja, wie wohl? So, wie es irgendwann einmal kommen muss, wenn der Verdruss der Bürger ignoriert wird. Wenn der Bürger nicht ernst genommen wird. Sicher können Sie sich noch sehr gut an das Tamtam erinnern, als es darum ging, ob die Griechen weiter mit dem Euro oder besser mit der Drachme ihre Staatsschulden und ihren Einkauf beim Gemüsehändler bezahlen sollten.
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Da wurde das ganz große Rad gedreht, da schmetterten die Fanfaren des politischen Großsprech: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!“ Was für ein Satz. Donnerwetter, Frau Kanzlerin! Und nun, als es nicht mehr um den Grexit, sondern um den Brexit ging, was war da zu hören? Eigentlich gar nichts, allenfalls ein schwaches Nuscheln über wirtschaftliche Kollateralschäden. Von der wunderbaren Idee, die einmal Europa hieß, die mehr war als Wirtschaft und Finanzmärkte, die Frieden und selbstbestimmte Freiheit versprach, davon war nichts zu hören. Die vorgeblichen Eliten auf den Kommandobrücken gaben sich betont gelassen. Sie waren überzeugt: Die Briten machten „Viel Lärm um nichts“, man kennt das seit Shakespeare.
 
Niemand wollte glauben, es könne um „Sein oder nicht Sein“ gehen. Und als die Sache mit der Abstimmung gründlich danebengegangen war, da verschlug es offenbar allen die Sprache, die sonst das große Wort führen, die um keinen vorgestanzten Satz verlegen sind. Die Kanzlerin mahnte einmal mehr zu „Ruhe und Besonnenheit“.
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Genau! Das ist es! Goldene Worte! „Ruhe und Besonnenheit.“ Das ist es, was wir jetzt brauchen. Darauf muss man erst mal kommen. Danke, Frau Kanzlerin. Das war endlich hilfreich. Der sonst stets vorlaute EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ließ andere für sich sprechen und Bundestagspräsident Norbert Lammert beglückte uns mit einer Kostprobe seiner Lammert-Lyrik: „Großbritannien hat gestern darüber befunden, aus der Europäischen Union auszutreten. Dennoch ist die Sonne heute Morgen wieder aufgegangen.“ Das ist doch endlich einmal was fürs Herz. Darum gab es von den Abgeordneten auch herzhaften Beifall. Nur leider, das Bild war geklaut. Oder ein Plagiat, wie man es etwas weniger bildungsfern formulieren könnte. Den lyrischen Teil hat nämlich Udo Jürgens schon vor vielen Jahren geliefert: „… und immer, immer wieder geht die Sonne auf und bringt ein Tag für uns das Licht …“
 
Es ist schon erstaunlich, wie kaltschnäuzig dieser Ausstieg eines nun wirklich nicht unbedeutenden Mitglieds aus dem Club gemanagt wird. Ihr wollt raus? Ok! Aber bitte sofort. Unverzüglich. Je schneller, desto besser. Zack, zack!
 
Aber Vorsicht, lassen wir uns nichts vormachen. Haben Sie schon einmal erlebt, wie ein Gewohnheitstrinker mit einem veri-tablen Kater umgeht? Ignorieren! Einfach ignorieren. So tun, als sei alles ganz normal. Damit die Mitmenschen nicht mitbekommen, wie ganz fürchterlich dieser Kater mit all seinen Nebenwirkungen ist. Und dann mit „Ruhe und Besonnenheit“ auf die Kräfte der Natur hoffen. Die benötigt zwar ein paar zusätzliche Stunden nach dem Morgenkaffee, aber dann ist alles wieder gut. Und das Beste daran: Anschließend kann weiter gesoffen werden. Bis zum nächsten Brechzit.
 
Na klar, ein bisschen müssen wir schon aufpassen, dass die Verlobungsringe nicht mitgenommen werden. Bei so einer Trennung verschwindet schon gerne mal was vom Eingemachten. Darum soll es offenbar auch so schnell gehen, damit die Briten keine Gelegenheit finden, einzusacken, worauf sie keinen Anspruch haben. Sonderrechte hatten sie sich ja genug ertrotzt, wer weiß, woran sie noch ihre Freude finden. Weil die Freunde von gestern nun richtig sauer sind, werden die Typen von der Insel vom Hof gejagt, so schnell können die gar nicht laufen. Da können noch so viele eine Eingabe machen und eine neuerliche Abstimmung fordern, Schluss ist Schluss. Wählen, bis das Abstimmungsergebnis den Verlierern passt? Das könnte manchem Briten so passen. Nein, wer sich so danebenbenimmt, der wird vor die Tür gesetzt, basta.
 
Wenn man mal das matte Echo auf den Brexit für bare Münze nimmt, dann war der Abschied offenbar schon eingepreist, ganz wie ein Kleinhändler das macht. Es ist eben alles eine Frage der Ökonomie. Was denn sonst? Europa wurde heruntergerechnet auf Börsenkurs und Devisenhandel. Drum herum pflanzten selbstherrliche Kommissare ein Gestrüpp von Vorschriften, mit dem sie nationale Aufwallungen klein hielten. Wie diese Kommissare nach Brüssel gekommen sind, das wissen nicht einmal Geheimnisträger so genau. Sie wurden irgendwann mal irgendwo mal nicht mehr so richtig gebraucht. 
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Man kennt das ja. Manche Sachen braucht man auch nicht mehr, sind aber zu schade, um sie wegzuschmeißen. Die kommen auf den Dachboden, um vergessen zu werden. Die Kommissare kommen nach Brüssel. Damit sie nicht vergessen werden, melden sie sich ab und an zu Wort. Nicht sehr häufig. Das scheint nur so, weil es so viele Kommissare gibt. Vermutlich hat William Shakespeare an solche Leute gedacht, als er schrieb: „Was Große tun, beschwatzen gern die Kleinen.“ Sie loben selten und tadeln häufig, das ist so ihre Natur. Aufwallungen von Gefühlen erlebt man von ihnen (in der Öffentlichkeit) nie. 

 
Für die Aufwallung der Gefühle (in der Öffentlichkeit) haben wir den Herrn Erdogan. Früher, lange ist es her, da hatten wir das HB-Männchen. Das machte Reklame (Anmerkung für jüngere Leser: Werbung hieß damals noch Reklame) für eine Zigarettenmarke mit dem Spruch: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen …“ Dabei zappelte das Männchen mit Schnappatmung unter der Decke. Der Herr Erdogan leidet offenbar auch unter Schnappatmung. Jedenfalls will er gar nicht mehr mit uns spielen. Jahrelang stand der Herr Erdogan an der Spielkiste, in der Europa fröhlich Sandtörtchen buk und greinte „Ich will da rein“ (Entschuldigung, das war ein anderer, aber gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden). 
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Jedenfalls wollte Erdogan zu Europa in die Spielkiste. Aber weil Europa ständig eine Flunsch zog, mal sagte „mit dem spiel ich nicht“, mal sagte „der soll sich erstmal richtig benehmen“, wurde das Mätzchen Erdogan richtig sauer. Zwar verkniff er sich, Europa eine blöde Kuh zu nennen. Jedenfalls nicht direkt. Aber dass Europa ein hässliches Gesicht habe, das sagte er jetzt schon. Und dass er darüber abstimmen lassen könne, ob seine Türken überhaupt in die Spielkiste wollen, das sagte er auch. Weil er glaubt, das könne erschrecken.
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Doch das war einen Tag vor der Abstimmung der Briten. Und wie vordergründig lässig die Drohung zur Kenntnis genommen wurde, könnte ihn nachdenklich machen. Nachdenklich wäre er allerdings nicht mehr der Sultan Erdogan.




Preussische Allgemeine
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