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Donnerstag, 12. November 2015

Zum Schattendasein verdammt

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Friedrichswerdersche Kirche wackelt − Von Betonklötzen mit Luxuswohnungen zugebaut

08.11.15

Die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte wird von mehrstöckigen Neubauten regelrecht umzingelt. Kritiker warnen schon seit Langem vor dem unverantwortlichen Umgang mit einem Landesdenkmal. Jetzt kann es für die Schinkel-Kirche noch enger kommen.

Berlins größter „Problembezirk“ ist schon seit Jahren seine historische Mitte – wegen der zahlreichen Großbaustellen, die auch dem Senat zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Die Komplett-Sanierung der Staatsoper Unter den Linden wird statt 240 Millionen wohl 400 Millionen Euro kosten, und die längst geplante Wiedereröffnung lässt wohl bis 2017 auf sich warten. Nur 200 Meter weiter schreitet dafür der Bau des Stadtschlosses unerwartet vorbildlich voran.


Zwischen diesen beiden Mammutprojekten entwickelt sich dafür eine städtearchitektonische Katastrophe am Werderschen Markt. Genau gegenüber dem Auswärtigen Amt kommt am Schinkelplatz die Rekonstruktion der Bauakademie nicht voran. Seit Jahren existiert sie nur als „Planenhaus“ mit simulierter Originalfassade. Und direkt daneben wird die Friedrichswerdersche Kirche von Neubauten für Luxuswohnungen derart in die Mangel genommen, dass sie einzustürzen drohte.


Wer die seit 2012 für Besucher geschlossene neugotische Kirche des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel betreten darf, sieht auf den ersten Blick, dass sie ziemlich „krank“ ist. Der Innenraum ist vollkommen eingerüstet, nachdem sich vom Fundament bis zum Gewölbe fingerdicke Risse gebildet hatten und außerdem quadratmetergroße Teile des Putzes von der Decke herabfielen.


Den Krieg hatte die Kirche einigermaßen heil überstanden. Jetzt machen ihr moderne Bausünden zu schaffen. Durch das Ausheben einer Baugrube für die sogenannten Kronprinzengärten, eines siebenstöckigen Wohngebäudes inklusive Dach-Swimmingpool, dessen östliche Fassade nur dreieinhalb Meter von der Schinkel-Kirche entfernt steht, entstanden an der Kirche schwere Kollateralschäden. Der spröde märkische Sand, auf dem der Schinkelbau seit den 1820er Jahren sicher stand, gab nach, und die Kirchenfassade neigte sich gefährlich nach Westen. 


Wegen der Schäden entschied die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) schon vor drei Jahren, die Kirche für den Publikumsverkehr zu schließen. Seit 2001 dient das Gotteshaus, das als solches seit dem Krieg nicht mehr genutzt wurde, als Museumsdependance der Nationalgalerie. Noch 2011 schauten sich 170000 Besucher die dort ausgestellten Marmorskulpturen an, darunter Johann Gottfried Schadows beliebte Prinzessinnengruppe mit der späteren Königin Luise und ihrer Schwester Friederike.


Ob die ausgelagerten Damen jemals wieder in die von der SPK für 99 Jahre gepachtete Kirche einziehen werden, ist ungewiss. Zumal jetzt weiteres Ungemach droht. Denn nun soll die Kirche auch auf ihrer östlichen Seite zugebaut werden. Die Frankonia Eurobau plant auf dem letzten verblieben Baugrundstück zwischen dem Schinkelplatz und der Kirche weitere Luxuswohnungen. Nur zehn Meter vom Sakralbau entfernt wird eine drei Etagen tiefe Baugrube für Keller und Tiefgarage gebuddelt. Diese Gefahr von rechts könnte das Fundament der Schinkel-Kirche noch weiter zum Wackeln bringen.


SPK-Chef Hermann Parzinger fürchtet, dass durch diese Umzingelung die Kirche aus dem Stadtbild getilgt wird: „Ich bin erstaunt, mit welcher Rück­sichtslosigkeit hier gegen künstlerische und kulturelle Werte vorgegangen wird.“ Für ihn sei es unverständlich, wie man nicht aus den Fehlern, die man beim Bau des ersten Nachbargebäudes gemacht habe, lernen könne. Jetzt werde die Kirche regelrecht zugebaut. „Das ist nicht nachvollziehbar, wenn man weiß, wie streng die Denkmalpflege solche Fragen sonst behandelt“, kritisierte er, „es ist skandalös, wie jetzt mit dem Erbe umgegangen wird.“


Bei der Berliner Politik stößt Parzingers Kritik auf taube Ohren. Beim Richtfest des ersten Bauprojekts lobte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD): „Die Friedrichswerdersche Kirche erhält durch die Kronprinzengärten den städteräumlichen Kontext zu­rück, den sie bis zum Zweiten Weltkrieg hatte.“ Tatsächlich war das Areal um den Werderschen Markt einst dicht bebaut. Erst die Bombenangriffe und Ulbrichts Abrissbirnen ließen wieder einen freien Blick auf die Kirche zu.


Jedoch gab es in unmittelbarer Nachbarschaft nie so hohe Betonberge wie jetzt. Für den finanziell notorisch klammen Senat kamen die Bauvorhaben nicht ungelegen, schwemmte das kostbare Bauland doch viel Geld von den zahlungskräftigen Bauinvestoren in die Kasse. Kein Wunder, dass Kritik da schnell überhört wird. 


Immerhin ließ der Senat die Baumaßnahmen stoppen, als erste Schäden an der Kirche bekannt wurden. Für einen Nachbarschaftsvertrag mit dem Investor zur Schadenbeseitigung musste die Landeskirche als Eigentümerin dann aber selbst verhandeln. Im Anschluss pumpte man mittels eines Hochdruck­injektionsverfahrens tausende Kubikmeter Zement zur Stabilisierung in das Kirchenfundament und stopfte die Risse notdürftig aus. Dem Bauherren entstanden dadurch zwar Mehrkosten von 15 Millionen Euro, die man aber durch höhere Preise bei den Wohnungen leicht wieder ausgleichen kann. Bis zu 20000 Euro pro Quadratmeter werden die Luxusappartements an Berlins teuerster Adresse einmal kosten.



Dass man auch einen anderen Weg gehen kann, der sich am Ende bezahlt macht, zeigt das Beispiel Dresden. Der lichte Platz um die rekonstruierte Frauenkirche zieht jährlich hundertausende Touristen an. Die Schinkel-Kirche in Berlin, immerhin das bedeutendste neugotische Bauwerk der Hauptstadt, wird zukünftig buchstäblich nur ein Schattendasein führen.    

Harald Tews






Preussische
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